CBRN-Erkunder

Im Rahmen eines umfangreichen Beschaffungsprojekts des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) werden nach und nach 397 hochmodernen CBRN-Erkundungswagen (CBRN ErkW) für den Zivilschutz ausgeliefert. Seit Mitte Mai steht nun einer dieser neuen umgangssprachlichen CBRN-Erkunder des Bundes bei uns im Hochtaunuskreis. Das Fahrzeug ersetzt das aus dem Jahr 2002 stammende alte CBRN-Erkundungsfahrzeug des Bundes, welches bis vor Kurzem in Friedrichsdorf stationiert war.

Seinen Dienst wird das neue Fahrzeug in Zukunft in Bad Homburg versehen. Unter dem Funkrufnamen Florian Bad Homburg 1-72 wird es für Einsätze zur Verfügung stehen. Neben dem Einsatz in der alltäglichen Gefahrenabwehr liegt das Hauptaufgabenfeld in der Unterstützung des Krisenmanagements bei größeren und komplexen CBRN-Lagen. Bei einem CBRN-Ereignis ermöglicht es eine schnelle und präzise Erkundung von gefährdeten und kontaminierten Gebieten, wodurch notwendige Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung rasch eingeleitet werden können. Das Fahrzeug ist dazu mit modernster Technik ausgestattet, mit der während der Fahrt präzise Messungen möglich sind, um gefährdete Bereiche schnell und effizient zu erfassen. Zusammen mit dem GW-ABC Erkundung des Landes bildet es die Messgruppe der GABC-Einheiten nach hessischem Landeskatastrophenschutz-Konzept.

Das Fahrzeug ist zum Spüren und Messen radioaktiver Quellen und chemischer Gefahren sowie dem Kennzeichnen und Überwachen kontaminierter Bereiche sowie zur Erfassung lokaler Wetterdaten geeignet. Alle Daten der Messgeräte können über die vorhandene Software dargestellt werden. Auch die Darstellung in den aufgespielten topographischen Karten ist möglich. Die Messdaten werden dazu zusammen mit den GPS-gestützten Ortsinformationen in einem Rechner gespeichert und visualisiert. Ein weiterer Vorteil der neuen Generation CBRN-Erkundungswagen ist der mögliche Datenaustausch per Datenfernübertragung (kurz: DFÜ). Hierdurch ist ein vernetztes Arbeiten im CBRN-Erkundungsverbund möglich. Auch die neu beschafften und zusätzlichen Messgeräte erweitern in Verbindung mit der modernen Erkunder-Software die momentanen Fähigkeiten. Die gesteigerte Geländefähigkeit des Fahrgestells und der verbesserte Schutz der Besatzung während der Fahrt (Atemschutz in allen Sitzen integriert) stellen einen weiteren Fortschritt zur alten Fahrzeugserie dar.

Alle Erkundungskraftwagen des Bundes sind außerdem mit einem chemischen, biologischen, radioaktiven und nuklearen Probenahmesatz (kurz: CBRN-Probenahmesatz) des Bundes ausgerüstet. Eine qualifizierte Probenahme im Einsatzfall ist eine wichtige Voraussetzung für einen Gefahrstoffnachweis in einem Labor. Mithilfe der Ausstattung zur CBRN-Probenahme kann die Besatzung sofort Proben von verdächtigen Materialien und aus kontaminierten Gebieten entnehmen. Dabei können Proben von festen und flüssigen chemischen, biologischen und radiologischen Stoffen sowie chemischen luftgetragenen Stoffen genommen werden. Besonders bei biologischen Gefahrstoffen sind Vor-Ort Messtechniken nur eingeschränkt möglich, sodass eine Probenahme und eine anschließende Untersuchung der Probe im Labor zwingend notwendig ist, um einen Gefahrstoff festzustellen.

Alle auf diesem Fahrzeug eingesetzten Helferinnen und Helfer müssen den Lehrgang „ABC-Erkundung“ gemäß Feuerwehrdienstvorschrift 2 bestanden und zusätzlich den Lehrgang „Praxismodul Probenahme“ erfolgreich absolviert haben. Hinzu kommen regelmäßige Übungsabende auf Standortebene und im Verbund der Messgruppe, um im Umgang mit der Technik geschult zu bleiben.

Da die im Fahrzeug eingesetzte Technik nicht nur sehr schulungs- und übungs-, sondern auch sehr wartungsintensiv ist, übernehmen zwei Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehr Bad Homburg einen Großteil der anfallenden Instandhaltungsarbeiten.
Es ist nicht selbstverständlich, dass ein solches Aufgabenpaket wie es dieses Fahrzeug mit sich bringt, unbürokratisch von einer Feuerwehr übernommen wird.

Quellen: www.bbk.bund.de/DE/Themen/CBRN-Schutz